LAND jugend
COUNTRY youth
personal project | since 2024
Was bedeutet es, auf dem Land aufzuwachsen? Land klingt zunächst nicht nach Aufbruch, Abwechslung oder Zukunft. Es steht für Idylle, Tradition, Langeweile und sogar Rückständigkeit, während die Stadt alles Moderne verkörpert. Und bestimmt ist an dieser Kluft etwas Wahres dran: Parteien am rechten Rand gewinnen vor allem in ländlichen Regionen deutlich an Boden, junge Menschen ziehen zum Studium in die Städte und kehren oft nicht zurück. Land und Jugend scheinen auf den ersten Blick nicht gut zusammenzupassen.
Und doch ist dieses Bild unvollständig, zumindest in Österreich. Dort findet man in den Dörfern ein erstaunlich ausgeprägtes Gemeinschaftsleben. Kaum ein Wochenende vergeht ohne große Zusammenkünfte: Maibaumfeste, Krampusläufe, Kirchenfeiern, Jagden, Feuerwehrbewerbe und Blaskapellentreffen, um nur ein paar davon zu nennen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Jugendlichen vom Land, die mit Stolz Dirndl und Lederhosen tragen, Kleidungsstücke, die eine Generation zuvor noch als altmodisch galten.
Die Jugendlichen feiern die Traditionen und Bräuche nicht aus Pflichtgefühl, ganz im Gegenteil: Sie entwickeln eine große Leidenschaft dafür. Diese Lebenswelt wirkt wie ein Zufluchtsort vor der Realität, ein großes Rollenspiel, bei dem jeder seinen Platz hat. Was für Außenstehende befremdlich wirkt oder sogar als Ausgrenzung wahrgenommen werden kann, bedeutet für die Menschen innerhalb dieser Gemeinschaft vor allem eines: Zugehörigkeit und Zusammenhalt.
Seit 2024 widmet sich der Fotograf Dominik Maringer in seinem dokumentarischen Langzeitprojekt LAND jugend den Lebenswelten Jugendlicher in ländlichen Regionen Oberösterreichs, Salzburgs und Kärntens. Intime Porträts, Fotografien von Festen, Veranstaltungen und Landschaften verbinden sich zu einem vielschichtigen Bild des Aufwachsens auf dem Land.
Selbst auf dem oberösterreichischen Dorf aufgewachsen und heute in Berlin lebend, begegnet Maringer seinen Protagonist:innen auf Augenhöhe. Er sucht nach archaischen, alltäglichen, skurrilen und berührenden Momenten. Seine Arbeit lädt dazu ein, den Blick auf das eigene Aufwachsen zu lenken und auf die grundlegenden Fragen, die sich viele Menschen stellen: Wo komme ich her, und wo fühle ich mich zugehörig?
What does it mean to grow up in the countryside? At first glance, it seems to stand for tradition, idyll, and perhaps boredom or backwardness, while the city embodies modernity. And there is some truth to this divide: right-wing parties are gaining significant ground, especially in rural regions. As a young person, one might think, you have to get out as quickly as possible.
And yet this picture is incomplete. In Austria, rural life can be remarkably vibrant. Hardly a weekend goes by without large gatherings: Maypole festivals, Krampus parades, church celebrations, hunts, or events organized by fire departments and brass bands. At the heart of it all are the country youth, proudly wearing dirndls and lederhosen—clothes that a generation ago were considered old-fashioned.
Young people embrace traditions not out of duty, but with genuine passion. They wear uniforms and Krampus masks, climb Maypoles with bare hands and feet, compete in plowing contests, and go from house to house as Sternsinger. Above all, they seize every opportunity to celebrate. It feels like a vast role-playing game, a folk festival in which everyone has their place.
Tradition and customs become pure passion and a refuge from reality. What may seem strange to outsiders means community and belonging to those within it.
Since 2024, photographer Dominik Maringer explores the lives of young people in rural Austria in his long-term documentary project LAND jugend.
He grew up in rural Upper Austria and has lived in big cities since his studies. He meets his subjects on equal footing, seeking out everyday, archaic, whimsical, and touching moments. His work invites us to reflect on our own upbringing and on fundamental questions: Where do I come from, and where do I feel I belong?

